Geschichte & Editorial

1992 fand auf der Burg Plankenstein ein bemerkenswertes internationales Seminar für Körpertherapie in Zusammenarbeit mit der Niederösterreichischen Landesakademie statt.

1994 ergriffen daraufhin Rainer Danzinger, Michael Feichtinger und Helmut Milz mit Unterstützung von Walter Pieringer, Peter Stix und Josef W. Egger (von der Universitätsklinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie Graz) die Initiative zum Seminar „Leib oder Leben“ in Bad Gleichenberg. Im selben Ort hat diese Klinik im Herbst 1969 das Integrative Seminar für Psychotherapie ins Leben gerufen.

Inzwischen haben zahlreiche Therapeut*innen und Künstler*innen aus verschiedenen Ländern als Pionier*innen und teilweise Methodenbegründer*innen ihre Arbeit in der körperbezogenen Psychotherapie, Körpertherapie und Körperkunst jährlich im Frühling einem wachsenden Publikum vorgestellt.

Was wahr ist.

Wohin steuert die Geschichte? Kann man den Autoritarismus oder die Willkür der Mächtigen durch Meinungsfreiheit und die Nutzung des öffentlichen Raumes destabilisieren? Oder sind wir gegenwärtig nur ohnmächtige Beobachter? Entscheiden wir uns möglicherweise im Urlaub keine Zeitung zu lesen um der Realität mit all ihrer Unerbitterlichkeit zu entfliehen? Wenn wir aber Risiken und Nuancen gut bedenken wollen und nicht jede Drohrhetorik für bare Münze nehmen wollen, wäre es wichtig zu erkennen was wahr ist?

Die Überlegung „was wahr ist“ könnte mit einer Sichtbarmachung von Nuancen einhergehen und wäre für das Erkennen und den Erkenntnisgewinn wichtig. Unsere Bildung beginnt mit der Erkenntnis, dass wir mit Unterscheidungen die Urteilsfähigkeit schärfen und konstituieren. Das Unterscheiden erzeugt stets Teile oder Perspektiven und darin manifestiert sich unsere Verstandsfunktion. Das Weder-noch-denken oder Sowohl-als-auch-denken könnte helfen Grauzonen zu einem didaktischen Mittel reifen zu lassen. Laut Peter Sloterdijk ist die Erziehung zur Nuance für das intellektuelle Ethos von großer Bedeutung. Wie auch Nietzsche seine Furcht vor jeder übereilten Vereindeutigung definierte.

Das Selbstbestimmungsrecht und die Urteilsfähigkeit der Völker und dadurch deren Einfluss ist höher zu gewichten als materieller Gewinn. Um neue Perspektiven und Nuancen zu gewinnen, könnte es wesentlich sein das subjektive Selbst und das intersubjektive Selbst in deren Weltverhältnis zu erkennen und zu finden. 

Das körperliche subjektive und intersubjektive Selbst mit all den einverleibten und neu gewonnenen Erfahrungen findet in der Gruppenpsychotherapie und insbesondere der Körperpsychotherapie neue Nuancen und Erkenntnisse.

Der Körper ist vor allem Vermittlungsorgan für die Beziehungen des Organismus zur Umwelt und für seine Beziehungen zu anderen Menschen. Diese Interaktionen verändern den Körper fortlaufend und prägen ihn sozial und kulturell. Der Körper ist Ort von einem basalen Lebensgefühl, von Vitalität, Behagen und Unbehagen. Er ist Resonanzraum von Stimmungen und Gefühlen, zeitgleich auch das Zentrum für Wahrnehmungen, Gedanken und Handlungen. Alles bewusste und unbewusste Erleben ist nicht nur an den physischen Körper als seine biologische Basis gebunden, sondern auch an den Leib mit seiner leiblichen Subjektivität. 

Der Körper als intuitiv-empfindsames Erkenntnisinstrument macht es uns möglich uns zu orientieren, zu erkunden, Unterschiede, Nuancen zu erkennen und einzuordnen. Betrachtungen über das Sphärische, das Wahrhafte sollten ins Zentrum rücken. 

Krisenzeiten sind auch immer Zeiten des Umdenkens. Es wäre viel gewonnen, wenn es möglich wäre die Erfahrungen in politische, gesellschaftliche, intersubjektive und subjektive neue Perspektiven zu überführen. 

Jolana Wagner-Skacel

Veranstalter/Mitveranstalter/Kooperationspartner


PSYGRAZ STLP Uni for Life Med-Uni Graz